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Fussballnationalmannschaft 1954 gedopt?


Nicht nur über Dopingfälle hielt Jürgen Grotemeyer vom Institut für Physikalische Chemie an der Universität in Kiel am Mittwoch, dem 14. Februar, einen Vortrag, sondern auch über dessen Nachweis. Gegen 20 Uhr füllte sich der Konferenzraum des OHG’s, um mehr über die Analytik zu erfahren. Zuerst stellte sich die Frage, was genau Doping eigentlich ist.

Definiert ist der Begriff als Versatz eines chemischen Systems mit Substanzen zur Verbesserung der Eigenschaften.

Doping kommt häufig im Sport vor, um die Leistungen zu verbessern. Allerdings war einer der frühsten Dopingfälle im Reitsport, als Daniel Dawson gegnerische Pferde dopte, um deren Leistung zu vermindern. 1812 kam er deswegen vor Gericht.

Der Gebrauch von Dopingmitteln ist nicht nur sträflich, sondern auch gefährlich. Das Einnehmen kann zum Organversagen und schlimmstenfalls auch zum Tod führen. 1996 starb z.B. der Bodybuilder Andreas Münzer mit 31 Jahren wegen der Einnahme von  Steroid-Hormonen.

Deshalb ist es wichtig, Doping durch Urin- oder Blutproben nachzuweisen. Der Chemiker und Analytiker erklärte eines der 1600 Verfahren. Zur Analyse wird die Probe zuerst in ihre Bestandteile aufgetrennt. Es folgt der Versuch der Strukturbestimmung. Als Beweis muss der auffällige Stoff durch Synthese erneut im Labor hergestellt werden.  Als Letztes erfolgt die Quantifizierung. Dabei wird bestimmt, wie viel des Dopingmittels vorhanden ist.

Der Fokus des Vortrags lag auf der Methode, Dopingmittel durch Gaschromatographie zu enttarnen. Die gereinigte Probe wird in einer Gasröhre in ihre Inhaltsstoffe aufgetrennt. Diese durchqueren die Röhre mithilfe eines Gasstroms 55 Minuten lang. Das Resultat sind rund 3200 unterschiedliche Verbindungen. Dann wird untersucht, ob Stimulanzien wie Nikotin, Amphetamine oder Coffein in der Probe vorhanden sind. „Wir Analytiker können also auch Kaffeetrinker entlarven“, scherzte Jürgen Grotemeyer. Falls ein unbekannter Stoff im gemessenen Spektrum angezeigt wird, wird die Probe in ein Massenspektometer gegeben. Das Massenspektrometer misst die Masse im Verhältnis zur Ladung der Teilchen. Diese wichtige Methode der analytischen Chemie dient zur Erkennung der Struktur und Zusammensetzung von Verbindungen und Gemischen. Das Massenspektrometer besteht aus mehreren Teilen: einer Ionenquelle, einem Analysator und einem Detektor. In der Ionenquelle wird die zu untersuchende Substanz ionisiert. Die Sortierung der Ionen nach dem Masse/Ladungsverhältnis  erfolgt im Analysator, der wie ein Magnet vorzustellen ist. Der Ionennachweis erfolgt im Detektor. Diese Daten gelangen in einen Computer, der die Signale auswertet. Jedes Signal wird einer Verbindung zugeordnet. So steht  das Signal 303 für Kokain.

Trotz der Dopingrichtlinien der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gelingt es vielen Sportlern zu dopen. Auch zugelassene Medikamente wie Salbutamol, welches schweren Asthmatikern verschrieben wird, haben leistungssteigernde Wirkungen. In diesem Fall steigert es die Sauerstoffaufnahme. „Laut den Testergebnissen müssten 80% der Tour de France Teilnehmer Asthma haben “, so der Analytiker.

Es gibt zwei Wirkungsarten von Steroiden: Die androgene Wirkung fördert den Wachstum, wobei der Aufbau der Muskelmasse eine anabole Wirkung hat. Deshalb kann man mit Steroiden ebenfalls die körperliche Leistung steigern – jedoch produziert der Mensch selbst welche, wie z.B. Testosteron. Allerdings gibt es künstlich hergestellte, leicht von der Struktur abgewandelte „Designer-Steroide“, welche nicht nur leistungssteigernd sind, sondern auch schon bei der Einnahme von 5g tödlich sein können. Der Vorteil ist, dass diese leicht abgewandelten Steroide nicht so sehr wie andere Dopingmittel auffallen. Des Weiteren gibt es viele  Sportler, die sich Testosteron spritzen, da dieser Stoff schon im Körper vorhanden ist. Jedoch können Analytiker anhand des Molekülaufbaus erkennen, ob dieses künstlich hergestellt und eingeführt wurde. Geringes Doping ist allerdings möglich.

Zum Schluss des Vortrages erzählte Grotemeyer noch von einigen Dopingfällen. 2010 behauptete Radsportler Alberto Contrador, seine Dopingwerte seien erhöht, weil er am Abend zuvor Fleisch gegessen habe, welches mit diesem Stoff versetzt war. Letztendlich ließ sich herausstellen, dass dieser Dopingstoff in geringen Maßen im Fleisch vorkam. „Allerdings müsste er an dem Abend 900 kg Rindfleisch  gegessen haben, wenn er die nachgewiesene Menge nur über das Essen aufgenommen hätte“, lachte der Chemiker. Zudem unterstellte er der deutschen Fußballnationalmannschaft, durch Doping bei der WM 1954 Vorteile gehabt zu haben. Die Spieler sollen zuvor viele Vitamine bekommen haben. Doch die Grenze zwischen Nahrungsergänzungmitteln und Doping ist fließend. So gilt die erhöhte Einnahme von Vitamin B12 laut den WADA Regeln als Doping, da B12 die Sauerstoffaufnahme in den Zellen steigert.  Das Problem bei den Nachweisverfahren ist, dass diese viel Zeit beanspruchen. Jedoch ist ein Dopingnachweis, der erst zwei Jahre nach der Erstellung der Probe erfolgt, nicht mehr anerkannt. Das heißt, viele Sportler dürfen ihre unehrlich verdienten Medaillen behalten.

In der anschließenden Fragerunde kam der Gedanke auf, durch Gentechnik die Leistung zu verbessern. Zukünftig wird das ein großes Problem sein, da es noch kein Nachweisverfahren gibt. So entwickelt sich die Analytik ständig weiter.

Der Vortrag, der durch die Universitätsgesellschaft ermöglicht wurde, war sehr informativ und man konnte einen Einblick in das naturwissenschaftliche Arbeiten bekommen. Mit etwa 40 Leuten war der Konferenzraum mäßig gefüllt. Im Vergleich zu den vorherigen Vorträgen waren auch mehr Schüler da. Trotzdem wäre es schön, wenn noch mehr junge Leute zu den Veranstaltungen kommen würden, da man auch Sachen, die nicht in der Schule drankommen, lernt und das das Allgemeinwissen steigert.

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